An(ge)dacht

von Michael Messal | Juni 2026

Wenn die Finsternis im Licht erstrahlt

Liebe Gemeinde,

 

Sommerabend. Die Grillen zirpen. Es ist dunkel draußen unterm Sternenzelt. Die Nacht ist angenehm warm. Früher am Abend haben wir gegrillt. Freunde sind zu Besuch. Wir haben lecker gegessen, es gab Salate, Kräuterbaguette, verschiedenste Köstlichkeiten vom Grill, dazu leckere Saucen und Getränke: Das Leben ist schön. Inzwischen sind die ersten Kerzen heruntergebrannt, die Glut des Grills ist so gut wie erloschen, aber noch immer hängt der Duft des Essens in der Luft.


Ich richte meinen Blick auf zum Himmel, die Sterne sind hervorgekommen. Meine Gedanken schweifen ab und statt dem Gespräch zu folgen, verliere ich mich in der Unendlichkeit des Alls. Milliarden von Sternen sollen dort oben sein, nur einen kleinen Bruchteil davon kann ich mit bloßem Auge sehen und doch sind es viel zu viele um sie zu zählen.

 

Wie klein ich bin, wie unbedeutend. Wie das geringste Staubkorn komme ich mir vor im Vergleich zur unvorstellbar großen Schöpfung. Wie groß muss da erst der sein, der das alles geschaffen hat? Unvorstellbar groß ist Gott und ich bin so klein.

 

Auch meine Probleme sind klein, wenn ich sie aus diesem Abstand betrachte. All das, worüber ich mich sorge, was mir Angst macht, was mich stresst, ist so klein und unbedeutend wie ich. Dieser Gedanke hat etwas Beruhigendes an sich. Seit Tagen bin ich schon wieder voller Unruhe, kann nachts vor lauter To-dos kaum schlafen. Einem lieben Menschen geht es schlecht. Es gibt so viel zu tun und so wenig Zeit um alles zu schaffen. Da sind so viele Themen, die meine Aufmerksamkeit erfordern. Wie soll mir das alles nur gelingen?


Aber wenn ich mal ehrlich zu mir selbst bin, dann sind die ganzen Dinge, die mich so umtreiben und die mich aufwühlen, höchstens nur halb so wichtig, wie ich sie mache. Wenn ich es nicht schaffe, den Bericht auf der Arbeit am Montag fertig zu stellen, wird das trotz Frist wahrscheinlich vor Freitag eh niemandem auffallen. Wenn ich einfach einen Backmischungs-Kuchen für das Kuchenbuffet des Sportvereins beisteuere, wird die Welt nicht untergehen. Wenn ich die neu gekauften Blumen erst am nächsten Wochenende im Garten einpflanze, werden sie das auch überleben. Ich muss mich deshalb nicht stressen und kann diesen Abend ruhig mal genießen, ohne gleich ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

 

Aber obwohl ich nur ein Mensch unter Milliarden Erdbewohnern bin, sind meine Sorgen, Nöte und Ängste andererseits für mich ganz real, bisweilen sogar lebensentscheidend, und sie bleiben nicht ungehört. Da ist jemand, der sich um mich sorgt, sich um mich kümmert, mich von allen Seiten hält und umgibt. Da ist jemand, der mich wunderbar geschaffen hat, dem ich schon im Mutterleib bekannt war und der jedes meiner Worte und jede meiner Sorgen schon kennt, ehe ich mir ihrer selbst bewusst werde (Ps 139): Gott, der sich selbst aus dem brennenden Dornenbusch heraus als „Ich bin da“ (Ex 3,14) vorstellt. Er führt und beschützt mich.

 

Im Leben und im Sterben, durch alle Höhen und Tiefen ist er da, von den Quellen frischen Wassers, an die er mich führt, bis zu den schrecklichsten Stunden der Todschattenschlucht. Ich bin nicht allein. Gott lässt mich nicht in der Finsternis wandeln, sondern erleuchtet das Dunkel für mich mit seinem Licht (Ps 23). Ich bin klein, eine Winzigkeit im unendlich großen Universum, aber ich stehe zugleich im Zentrum der göttlichen Zuwendung. Ich mag Sorgen, Nöte, Ängste haben, gestresst und bedrängt sein, aber ich bin damit nicht allein. Gott umgibt mich, macht mich stark und trägt mich, im Alltag wie auch jetzt beim Grillabend mit Freunden -und alle Zeit. Wunderbar sind seine Werke. Ich bin wunderbar. Der Sommer ist schön, so wie das Leben schön ist.

 

Ich wünsche euch viel Sonne und Licht in eurem Leben, euer

 

Michael Messal

Finanzkirchmeister

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